Spotlight Technische Dokumentation

Muss technische Dokumentation weiter so umfangreich gestaltet werden? Andernorts werden scheinbar sogar ganze Staaten über Twitter gemanagt. Kann dann nicht auch die Technische Information mit wenigen Zeichen ausgedrückt und auf einer Handy-Bildschirmfläche untergebracht werden?

Diese Überlegung betrifft dann nicht nur die Botschaft und den Adressaten selbst, sondern auch jene, die die Botschaft erstellen. Das sind die Systemanwender, die technischen Redakteure. Bisher ist ihr Workspace-Konzept doch eher auf mehreren Bildschirmen eine Unzahl von Fenstern parallel zu öffnen und die Tools aufzuklappen. Aber auch sie sind Kinder ihrer Zeit und von dem aktuellen Nutzerverhalten geprägt. Das würde dann in der Konsequenz bedeuten, dass ihr Arbeitstool, das Redaktionssystem, auf einer Handyoberfläche bedienbar ist.

Zu dieser „provokativen“ Überlegung geben wir hier einen Beitrag von Florian Ziche, Senior Software Architect bei Noxum.
CMS for Android, oder:
warum technische Dokumentation so kompliziert ist

Content Management und technische Dokumentation sind so komplex,
dass ganze Fachmessen diesen Themen gewidmet sind. Unternehmen 
setzen hochqualifiziertes Personal ein, um ihre Produkte 
zu dokumentieren, und sind trotzdem gezwungen, Kompetenzen und
Entscheidungen an Dienstleister und Berater auszulagern. Redaktionsclients
können nur mit intensiver Schulung bedient werden, Abläufe werden auch
in größeren Betrieben nur von wenigen Mitarbeitern vollständig durchschaut.
Und die Anforderungen an Dokumentation und Metadaten werden im Zuge
von IIOT und Industrie 4.0 noch einmal komplexer.
 
Gleichzeitig bedingen neue UI-Paradigmen (Smartphones, HUDs, Datenbrillen…), 
dass die finale Informationseinheit immer kleiner und überschaubarer wird.
Aufwändig formatierte Texte, tief strukturierte Listen oder
komplexe Tabellen werden zunehmend inakzeptabel. Dieser Wandel wird sich
auf die Tools der technischen Dokumentation durchschlagen.
Systemanbieter müssen sich permanent die Frage stellen, ob ihre 
Produkte und Oberflächen die neuen Anforderungen richtig einschätzen 
und ausreichend unterstützen – oder ob die Seh-, Denk- und Arbeitsgewohnheiten 
der Softwareentwicklung zu einer Betriebsblindheit führen, die am Bedarf 
der Nutzer vorbeientwickelt.
 
Können wir ein Redaktionssystem entwickeln, das ohne XML auskommt und
mit dem Smartphone bedienbar ist? Eher nein. Sollten wir darüber nachdenken,
wie wir so etwas tun würden, und die Antworten in unsere Produktentwicklung
einfließen lassen? Definitiv ja.